Mehr als 20 Jahre arbeitete Sonja Bort im internationalen Konzernumfeld, davon zehn Jahre als HR Managerin bei Sony PlayStation. Doch die Fotografie, die sie bereits seit ihrer Kindheit begleitet, ließ sie nie ganz los. 2022 kündigte sie ihren gut bezahlten Job und zog mit ihrem Mann ins bayerische Voralpenland. Heute lebt sie auf 30 Quadratmetern im Tiny House und baut sich mit ihrer Fine-Art-Naturfotografie ein eigenes Business auf. Ihre Fotografie zum Beruf zu machen bedeutet für Sonja dabei nicht nur, schöne Bilder zu erschaffen. Sie verbindet ihre kreative Intuition mit dem strategischen Denken aus zwei Jahrzehnten Konzernkarriere und entwickelt daraus eine hochwertige Fotokunstmarke. Ihre Werke verkauft sie als Fine-Art-Prints und Acrylglas-Editionen, aktuell präsentiert sie zehn ihrer Arbeiten zudem in der Ausstellung „SILENCE“ am Tegernsee.
Im FEMPRENEUR Interview spricht Sonja darüber, warum sie ihre sichere Karriere hinter sich gelassen hat, wie sie Kunst und Unternehmertum miteinander verbindet, was sie über die Positionierung und Preisgestaltung kreativer Arbeit gelernt hat und warum es manchmal wichtiger ist, loszugehen, als bereits den perfekten Plan zu haben.
Interview mit Sonja Bort: „Meine Kunst darf intuitiv entstehen. Mein Business darf es nicht“

Sonja, nach mehr als 20 Jahren im internationalen Konzernumfeld hast du 2022 deinen gut bezahlten Job gekündigt und bist ins bayerische Voralpenland gezogen. Was hat dir den Mut gegeben, diesen sicheren Karriereweg hinter dir zu lassen?
Die Angst davor, nichts riskiert zu haben und meinen Träumen nicht zu folgen – und das irgendwann zu bereuen – hat mir den Mut gegeben. Nach meinem Almsommer in 2020 auf der Alpe Rossfall wollte ich unbedingt in die Berge. Gemeinsam mit meinem Mann konnte ich mir diesen Traum erfüllen.
Seit zweieinhalb Jahren leben wir auf 30 Quadratmetern im Tiny House – mit weniger Besitz und mehr Raum für Wesentliches. Beruflich hat es nach SONY nirgendwo mehr richtig für mich gepasst. In 2025 haben mir dann mehrere Schlüsselmomente gezeigt, dass Fotografie mehr als ein Hobby für mich sein wird. Der Tod meines Vaters im September 2025 war dabei der letzte, entscheidende Impuls.
Die Angst davor, nichts riskiert zu haben und meinen Träumen nicht zu folgen, hat mir den Mut gegeben.
Heute verbindest du kreative Fotokunst mit strategischem Unternehmertum. Welche Erfahrungen aus deiner Konzernkarriere helfen dir dabei, aus deiner Leidenschaft eine professionelle Fotokunstmarke aufzubauen?
Meine 20 Jahre im Konzern sind heute ein wichtiger Teil meines Fundaments. Ich habe gelernt, strategisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen, Projekte zu strukturieren und Dinge konsequent umzusetzen. Die zehn Jahre als HR Managerin bei SONY haben mich außerdem gelehrt, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und klar zu kommunizieren.
Meine Kunst darf intuitiv entstehen. Mein Business darf es nicht. Hier brauche ich Klarheit: Wofür stehe ich? Wen möchte ich erreichen? Welche Qualität möchte ich anbieten? Diese Verbindung aus Intuition und Struktur hilft mir, aus meiner Fotografie Schritt für Schritt eine professionelle Marke aufzubauen – mit Herz und einem klaren Plan.

Du verkaufst deine Naturfotografien als hochwertige Fine-Art-Prints und Acrylglas-Editionen. Wie bist du an Positionierung und Preisgestaltung herangegangen und was hast du über das Verkaufen der eigenen kreativen Arbeit gelernt?
Das war für mich ein Lernprozess, den ich nicht dem Zufall überlassen wollte: ich habe sehr viel Zeit und Geld in Workshops und Kurse von anderen Fotograf:innen und Coaches im Bereich Kunst investiert und mir so Schritt für Schritt das Wissen rund um die Themen Positionierung, Marketing & Sales sowie Preisstrategie erarbeitet. Daraus ist ein solides Fundament entstanden.
Ich habe gelernt, dass meine Preise vom Wert der gesamten künstlerischen Arbeit abhängen.
Ich habe gelernt, dass meine Preise nicht von Produktionskosten abhängen, sondern vom Wert der gesamten künstlerischen Arbeit. Dabei ist es für mich entscheidend, dass die Qualität meiner Fotokunstwerke exzellent ist. Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden, meine Bilder bei WhiteWall in Galeriequalität drucken zu lassen.
Deine Naturfotografie lebt von stillen Momenten, Licht, Nebel, Wasser und Spiegelungen. Was macht für dich aus einem schönen Foto ein Kunstwerk mit eigener Handschrift?
Für mich wird ein Naturfoto dann zum Kunstwerk, wenn es nicht nur zeigt, was vor der Kamera liegt, sondern etwas in uns auslöst. Ich möchte Gefühle transportieren, Erinnerungen wecken und Sehnsucht entstehen lassen. Dabei spielen Licht, Nebel, Wasser und Spiegelungen eine besondere Rolle. Sie verleihen meinen Bildern Tiefe und lassen bewusst Raum für die eigene Wahrnehmung.
Außerdem wecken die kleinen Dinge mein Interesse, an denen die meisten einfach vorbeigehen. Ein typisches Sonja-Bort-Bild erkennst du daran, dass du nicht einfach weitergehst, sondern einen Moment länger hinschaust und dich darauf einlässt. Meine Marke steht für Stille, Staunen und Schönheit.

In deiner aktuellen Ausstellung „SILENCE“ am Tegernsee zeigst du zehn deiner Naturfotografien. Welche Idee verbindet die Werke und welches Gefühl möchtest du Besucher:innen mitgeben?
SILENCE ist für mich mehr als eine Ausstellung mit Naturfotografien: die zehn Werke erzählen von stillen Momenten, Licht, Wasser, Weite und dieser besonderen Atmosphäre, die entsteht, wenn man einen schönen Ort früh am Morgen ganz für sich hat. In einer Welt, die ständig schneller und lauter wird, möchte ich mit meinen Bildern einen kleinen Gegenpol schaffen.
Und weil Natur für mich nicht nur Inspiration, sondern auch Verantwortung bedeutet, gehen 5 % jedes Verkaufserlöses an den Wohlfühlhof Zeh im Allgäu, den ich seit Jahren unterstütze. Stille ist für mich ein Geschenk. Ich wünsche mir, dass meine Bilder Ruhe, Sehnsucht oder einfach das Gefühl schenken, für einen Moment ganz bei sich zu sein.
Was würdest du anderen Frauen mitgeben, die spüren, dass ihr bisheriger beruflicher Weg nicht mehr zu ihnen passt, sich aber noch nicht trauen, ihrer eigenen Idee wirklich Raum zu geben?
Wartet nicht darauf, dass irgendwann der perfekte Zeitpunkt kommt oder alle Zweifel verschwunden sind. Beides wird wahrscheinlich nicht passieren. Ich habe 2022 meinen gut bezahlten Konzernjob verlassen, ohne einen konkreten Plan für meine berufliche Zukunft zu haben. Ich musste mich ausprobieren, Umwege gehen und auch erkennen, was ich nicht mehr möchte.
Wartet nicht darauf, dass irgendwann der perfekte Zeitpunkt kommt oder alle Zweifel verschwunden sind.
Erst drei Jahre später wurde mir klar, dass ich meine Leidenschaft für die Fotografie zu meinem Beruf machen möchte. Mein Rat: habt den Mut, euren eigenen Weg zu gehen, auch wenn er noch nicht vollständig sichtbar ist. Ein neues Leben beginnt immer außerhalb der Komfortzone. Es lohnt sich!
Website: www.sonjabortfotografie.com
Instagram: @sonjabort
Ausstellung „SILENCE“ von Sonja Bort
Sonja Borts aktuelle Ausstellung „SILENCE“ ist vom 9. Oktober bis 14. November 2026 in der Galerie Orange, Steinmetzplatz 1 in Tegernsee, zu sehen. Die Vernissage findet am 9. Oktober um 19 Uhr statt. Gezeigt werden zehn Werke ihrer Fine-Art-Naturfotografie. Ihre Arbeiten sind außerdem als Fine-Art-Prints und Acrylglas-Editionen erhältlich. >> Mehr zur Ausstellung „SILENCE“










