Sleepmaxxing: Wenn selbst Schlaf zum Performance-Projekt wird

Maxi Knust

Tracking-Ring am Finger, Magnesium auf dem Nachttisch, ab 20 Uhr nur noch gedimmtes Licht: Guter Schlaf ist zum Projekt geworden. Unter dem Stichwort Sleepmaxxing optimieren immer mehr Menschen ihre Nächte – meistens mit dem Ziel, tagsüber leistungsfähiger zu sein. Eine aktuelle repräsentative Studie zeigt allerdings, dass genau dieser Anspruch auch nach hinten losgehen kann.

Was Sleepmaxxing eigentlich bedeutet

Sleepmaxxing beschreibt den Versuch, den eigenen Schlaf mit möglichst vielen Methoden zu verbessern, z. B. mit Supplements, Atemübungen, Schlaftee, Tracking-Apps oder dem Bildschirmverzicht am Abend.

Wie verbreitet das inzwischen ist, zeigt die Sleepmaxxing-Studie 2026: Für 85 Prozent der Befragten ist es wichtig, ihren Schlaf aktiv zu verbessern. 40 Prozent stufen ihre aktuelle Schlafqualität zudem als eher nicht gut oder nicht gut ein.

Sleepmaxxing

Warum so viele ihren Schlaf optimieren wollen

Bei der Schlafoptimierung geht es selten um reine Selbstfürsorge. 54 Prozent der Befragten nennen zwar gesundheitliche Gründe als Motivation. 41 Prozent optimieren dagegen mit Blick auf ihre Leistung: 33 Prozent wollen mehr Energie im Alltag, 8 Prozent mehr Leistungsfähigkeit in Job oder Studium.

Schlaf wird damit zu dem, was im Business ohnehin permanent gefordert wird – zu einem Hebel für Performance.

Fast jede Zehnte erhofft sich durch Schlafoptimierung mehr Leistung im Job.
© RAVENSBERGER Matratzen GmbH

Wenn Schlaf zum nächsten To-do wird

53 Prozent der Befragten stimmen zu, dass sich Schlaf für sie manchmal wie eine Aufgabe anfühlt, die erledigt werden muss. Bei denen, die ohnehin schlecht schlafen, sind es sogar 73 Prozent – gegenüber 40 Prozent bei den guten Schläfer*innen.

Schlaf steht damit bei vielen wie ein weiterer Task zum Abhaken auf derselben Liste wie Mails, Buchhaltung und Sport. Der Druck, guten Schlaf aktiv leisten zu müssen, wird in der Schlafforschung seit einigen Jahren als eigenständiges Phänomen beschrieben: als Sleep Anxiety, eine Form von Leistungsangst, die ausgerechnet das verhindert, was sie erreichen will. Wenn du abends oft lange wach liegst und dein Kopf nicht zur Ruhe kommt, haben wir Tipps für dich, wie Frauen besser schlafen und weniger grübeln.

53 Prozent der Befragten stimmen zu, dass sich Schlaf für sie manchmal wie eine Aufgabe anfühlt, die erledigt werden muss.

Der Punkt, an dem Sleepmaxxing ins Gegenteil kippt

Sobald Schlaf als eine Leistung empfunden wird, die erbracht werden muss, verursacht Sleepmaxxing mehr Druck als Erholung. Naheliegend wäre jetzt, das Schlaftracking hauptverantwortlich für diesen Druck zu machen. Tatsächlich empfinden aber 63 Prozent der aktiven Tracker*innen das Tracking wenig oder gar nicht als Belastung. Nur 9 Prozent fühlen sich dadurch wirklich unter Druck gesetzt.

Was belastet, zeigt sich quer durch alle Gruppen – unabhängig davon, ob jemand trackt oder nicht: die schiere Menge an Möglichkeiten. Für 76 Prozent der Befragten erzeugen zu viele Optimierungsmaßnahmen mehr Stress als Erholung. 68 Prozent finden, dass es schlicht zu viele Regeln gibt, wie man angeblich richtig schlafen sollte.

Dieser Zusatzstress ist keine Lappalie. Kurzfristige Anspannung ist eine normale Reaktion des Körpers – problematisch wird es aber, wenn sie zum Dauerzustand wird. Das nationale Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums beschreibt ausführlich, wie sich andauernder Stress auf Körper und Psyche auswirkt. Wer sein Schlafprogramm also immer weiter ausbaut, um irgendwann endlich zur Ruhe zu kommen, arbeitet unter Umständen gegen das eigene Ziel.

„Vieles, was unter dem Begriff Sleepmaxxing kursiert, hat eine solide wissenschaftliche Basis – Lichtmanagement, Temperatur, Rhythmus. Aber ein erheblicher Teil ist auch schlicht Trend ohne Evidenz. Die Herausforderung ist, beides auseinanderzuhalten.“, sagt dazu Dr. med. Alexander Blau, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie mit Forschungsschwerpunkt Schlafmedizin an der Schlafakademie Berlin.

Welche Methoden für besseren Schlaf die Befragten für wirksam halten

Auf den Spitzenplätzen landen keine Apps, keine Tracker, keine Supplements.

75 Prozent nennen feste Gewohnheiten und Routinen als beste Voraussetzung für erholsamen Schlaf. 73 Prozent nennen dafür eine passende Matratze und ein passendes Kissen. Neueste Trends und Social-Media-Tipps halten dagegen nur 4 Prozent für wirksam.

Bevor du also die nächste Methode ausprobierst, stelle dir diese drei Fragen:

  • Gehe ich überhaupt zu halbwegs festen Zeiten ins Bett?
  • Liege ich auf einer Unterlage, die zu mir passt?
  • Oder sammle ich gerade nur eine weitere Maßnahme auf einem Fundament, das noch gar nicht steht?

Wann Optimieren nicht mehr der richtige Weg ist

Es gibt einen Punkt, an dem keine Routine und kein Gadget mehr weiterhelfen.

Wenn Schlafprobleme über Wochen anhalten, ist das kein Optimierungsthema mehr, sondern kann eine medizinische Ursache haben, die abgeklärt werden sollte. Von einer chronischen Schlafstörung sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn jemand länger als einen Monat in mehr als drei Nächten pro Woche keinen erholsamen Schlaf findet. Frauen und ältere Menschen sind davon besonders häufig betroffen.

Wenn Schlafprobleme über längere Zeit anhalten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine behandlungsbedürftige Schlafstörung vorliegt.

Wer sich darin wiedererkennt, sollte den nächsten Schlaftrend ausfallen lassen und stattdessen einen Termin beim Arzt oder bei der Ärztin machen.

Fazit: Sleepmaxxing funktioniert – aber nicht als Dauerprojekt

Beim Schlaf führt mehr Aufwand also nicht automatisch zu mehr Erholung. Die Studienergebnisse legen nahe, sich an die wichtigsten Basics zu halten: feste Zeiten, eine ruhige Umgebung, und eine Schlafunterlage, auf der du gut liegst. 

Sleepmaxxing muss deshalb kein Stressfaktor sein. Es kommt darauf an, gezielt passende Methoden auszuwählen und diese dann konsequent zu nutzen, statt immer wieder neue hinzuzufügen.

Total
0
Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Article
Fotografie zum Beruf machen

Von der Konzernkarriere zur Fotokunst: Wie Sonja Bort ihre Fotografie zum Beruf macht

Related Posts
Facebook
YouTube
LinkedIn
Instagram
Tiktok