Interview mit Eva Laspas über emotionales Marketing: Warum echte Verbindung heute wichtiger ist als jede Strategie

Maxi Knust

Eva Laspas begleitet seit fast vier Jahrzehnten Menschen dabei, ihre innere Wahrheit sichtbar zu machen, und zwar lange bevor Storytelling, Personal Branding oder Emotional Marketing zu Buzzwords wurden. Als Autorin, Unternehmerin und Wortforscherin glaubt sie nicht an Marketing als Technik, sondern an Verbindung, Haltung und das mutige Sichtbarwerden des eigenen Wesens. In ihrer Arbeit verbindet sie unternehmerische Erfahrung mit feinem Gespür für Sprache, Persönlichkeit und Entwicklung. Ihr neuer Businessroman „Ich bin. Du bist. Wir wirken.“ zeigt eindrucksvoll, warum echte Positionierung nicht im Außen beginnt, sondern im Inneren. Im Gespräch mit FEMPRENEUR spricht Eva darüber, warum Unternehmen Persönlichkeitsräume sind, weshalb Geschichten nachhaltiger wirken als Strategien und was es braucht, um ein Business wieder aus der eigenen Einzigartigkeit heraus zu führen. Ein Interview über Mut, Wahrhaftigkeit und die Kraft, sich selbst wieder zuzuhören.

Interview mit Eva Laspas

Eva, du blickst auf fast 40 Jahre Schreiben und Unternehmertum zurück. Was ist der rote Faden deiner Arbeit und was machst du heute anders als viele klassische Marketing- oder Branding-Expert:innen?

Der rote Faden meiner Arbeit ist immer das Erkennen und Sichtbarmachen des Wesentlichen. Schon als junge Frau habe ich gemerkt, dass Worte Macht haben – nicht nur, um zu verkaufen, sondern um Beziehung herzustellen. Ich habe früh begonnen, Geschichten für andere zu schreiben, Charaktere zu formen und dort Worte zu finden, wo andere noch keine gefunden hatten.

Was ich heute anders mache? Ich fühle tiefer hinein. Ich mache dort eine Pause, wo andere noch rennen. Und ich zeige meine Kundinnen, dass Marketing nicht nur reine Strategie ist, sondern ein Ausdruck ihres Seins.

Dein neues Buch ist ein Businessroman, also ein Ratgeber in Romanform. Warum hast du dich für diese Form entschieden und worum geht es genau?

Geschichten wirken, wir Menschen lernen aus Märchen, Erzählungen und Romanen. Und so habe ich selbst erfahren, dass wir durch Geschichten mehr verändern können als durch Anleitungen. Dieser Businessroman erlaubt es mir, zwei Welten zu verbinden: Meine eigene Unternehmerinnenreise und das Wissen, das ich weitergeben möchte.

In „Ich bin. Du bist. Wir wirken.“ erzähle ich, wie ich Krisen gemeistert habe, wie Beziehung meine Marke geformt hat und wie das „Ich bin“ zur Basis jeder Positionierung wurde. Gleichzeitig vermittle ich praktische Schritte für emotionales Marketing, das verbindet, statt zu überreden.

Geschichten wirken, wir Menschen lernen aus Märchen, Erzählungen und Romanen.

Warum wirkt Storytelling im Business oft nachhaltiger als klassische „How-to“-Anleitungen?

Weil Menschen sich nicht mit Fakten verbinden, sondern mit Gefühlen. Eine Anleitung kann hilfreich sein, doch diese können wir innerhalb Sekunden durch eine KI beziehen. Anleitungen sind nicht persönlich genug, um den Menschen an dich zu erinnern. Geschichten schon. Denn sie berühren das Herz.

Wenn ich erzähle, wie ich als Alleinerzieherin mit drei Kindern fünf Gesundheitsmessen pro Jahr veranstaltet habe – und daraus Klarheit für meine Positionierung gefunden habe – dann bleibt das hängen. Storytelling macht nicht nur sichtbar, wer du bist, sondern auch, warum du tust, was du tust. Und genau das erzeugt Vertrauen.

Emotionales Marketing wird oft missverstanden. Was bedeutet es für dich wirklich und wo ziehen Unternehmerinnen die Grenze zwischen echter Verbindung und Manipulation?

Emotionales Marketing ist für mich die Kunst, erst einmal Beziehungen aufzubauen und nicht sofort zu verkaufen. Es bedeutet, aus dem Herzen zu sprechen, zu schreiben und zu handeln. Ja, Emotionen wirken – aber nur, wenn sie ehrlich sind. Ich nenne es gerne „wahrhaftig“, das drückt es besser aus als das Wort „ehrlich“.

Denn natürlich kann man durch Gefühle auch manipulieren. Das wird sehr oft durch Drohungen gemacht: „Wenn du nicht, dann …“ Die Grenze zur Manipulation ziehe ich, wenn ich authentisch und wahrhaftig aus Liebe heraus agiere. Wahrhaftigkeit ist ein Schlüssel: Ich teile meine Geschichte nicht, um zu verkaufen, sondern um Beziehung und Verbindung zu schaffen.

Wahrhaftigkeit ist ein Schlüssel: Ich teile meine Geschichte nicht, um zu verkaufen, sondern um Beziehung und Verbindung zu schaffen.

Viele Frauen spüren, dass sie ihr Business nicht (mehr) aus ihrer Einzigartigkeit herausführen. Woran erkennen sie das und was ist ein erster konkreter Schritt zurück zu einem stimmigen Business?

Sie erkennen es daran, dass das Business sich nach Mühe anfühlt, sie müssen sich täglich „bemühen“, es fließt nicht aus ihnen heraus. Sie haben kaum mehr eigene Einfälle, um neue Produkte, Posts oder Videos zu produzieren. Das führt dazu, dass die KI alle Inhalte produziert, weil Frau selbst keine Verbindung mehr zum Business hat. Sie fühlt sich leer und getrieben. Das führt dazu, dass kaum mehr Kunden kommen.

Der erste Schritt zurück ist Stille. Innehalten. Erinnern. Tief graben, um verschüttete Ereignisse wiederzufinden, die Hinweise geben: Wer bin ich in meiner Essenz? Wer könnte ich sein? Was macht mich aus? Von dort aus beginnen wir in meiner Positionierungsmatrix den Weg zurück zur Klarheit.

Wer bin ich in meiner Essenz? Wer könnte ich sein? Was macht mich aus?

Du sagst: Ein Unternehmen zu gründen ist ein persönlichkeitsbildendes Seminar. Was genau meinst du damit? Und welche innere Entscheidung verändert langfristig alles?

Unternehmertum bringt alles an die Oberfläche, was wir über uns selbst glauben. Es zeigt, wo wir uns klein machen aber auch, wo wir prahlen, wo wir flüchten, wo wir uns verstellen. Wer gründet, wird auf die eigenen Muster gestoßen – Selbstwert, Sichtbarkeit, Vertrauen, Geld, Beziehungen.

Die Entscheidung, die alles verändert, ist: Ich finde mich selbst. Damit höre ich auf, mich zu verbiegen. Und ich wirke von innen nach außen. Das ist der Moment, in dem sich nicht nur das Business ändert, sondern das gesamte Leben.

Businessroman „Ich bin. Du bist. Wir wirken.“ von Eva Laspas

>> als Taschenbuch

>> als E-Book

Website: www.laspas.at


Foto Credits: Emily Laspas & Marco Laspas

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